Smartphones im Unterricht – 3

SmartphoneBeispiele aus meinem Unterricht

Individuelle Sprechübungen

Ich habe Deutsch als Fremdsprache unterrichtet und war bemüht, meine Schüler so viel wie möglich sprechen zu lassen. Es war mir wichtig, dass sie die Scheu vor der Fremdsprache verlieren und “einfach drauf los” reden. Die individuellen Sprechübungen wurden vom Schüler mit der Audiorecorder App gemacht. Die Schüler übten Redewendungen oder lasen kleine Texte, nahmen sie auf und hörten sie sich dann an. Sie übten ein paar Mal alleine, dann spielten sie ihre Aufnahme einem Klassenkameraden vor und erhielten feedback. Das feedback floss in die letzte Aufnahme ein, die dann manchmal zur Kontrolle als Audiodatei an mich geschickt wurde. Die Schüler wussten, dass die Übung a) ihnen half, und b) es immer sein konnte, dass ich die Aufnahme verlangte zur Benotung.

Konversationsübungen

Die Anfänger lasen zu zweit Dialoge, nahmen sie auf und hörten sie gemeinsam an, um zu beurteilen, wie gut die Aussprache war. Dann schrieben sie eigene Dialoge und nahmen diese auf. Manchmal wurden diese Aufnahmen der Klasse vorgespielt, um sie gemeinsam auf Inhalt und Qualität zu bewerten. Oder sie wurden eingeschickt und benotet. Viele Schüler überliesen mir gerne die Aufnahmen, um sie in anderen Klassen einzusetzen. Ich fügte sie meiner eigenen kleinen Mediathek hinzu. Sie wurden dann Übungen zum Hörverständins.

Hausaufgaben

Lustige Aufnahmen bekam ich, wenn ich den Schülern die Aufgabe stellte, einem Familienmitglied/Freund/Nachbarn Redewendungen beizubringen und diese aufzunehmen. Die Schüler realisierten nicht, dass sie durch das Lehren die Phrasen und Ausdrücke sehr oft selbst benutzten und übten. Sie mussten den Leuten ja die richtige Aussprache beibringen und ihnen die Übersetzung liefern. Diese Hausaufgaben gehörten zu den beliebtesten. Kleine Geschwister waren Lieblingsdarsteller in den Aufnahmen, die sich relativ schnell zu Smartphone-Videos entwickelten.

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Smartphones im Unterricht – 2

SmartphoneDas 21ste Jahrhundert ist hier; wir sind digitalisiert. Unsere Schüler sind digital natives, für sie ist der Umgang mit Technologie selbstverständlich. Und sie werden sich in ihrem Leben immer schneller anpassen und mit sich ständig erneuernder Technologie vertraut machen müssen.

Wo ist Technologie in der Schule? Dass der Lehrer weiß, wie man eine PowerPoint Präsentation erstellt, ist nicht Stand der Dinge heute, sondern gestern! Digitale Werkzeuge müssen im Unterricht Anwendung finden – nicht nur passiv, sondern kreativ. Sie sind so wichtig wie Papier und Bleistift.  (Wer schreibt im Büro noch auf Papier?)

In der Arbeitswelt geht es kaum noch ohne Computer, sie sind mittlerweile Alltagswerkzeuge. Warum nicht im Unterricht? Und ich meine im täglichen Unterricht. Ein Computerraum tut’s nicht. Auch Klassensätze von iPads sind auf Dauer keine Lösung. Die Schüler haben ja bereits Computer in den Händen, warum nicht damit anfangen? Denn was sind die Smartphones anderes als handliche Computer, die mittlerweile erstaunlich leistungsstark sind. Sie können als Audio- und Videorecorder eingesetzt werden, sind Kameras, ohne dass man online sein muss. Wenn  die Schule ein WLAN-Netz hat, können die Schüler damit z. B. Lehrvideos anschauen, Texte lesen, Research machen und kommunizieren.

 

Smartphones im Unterricht – 1

SmartphoneEin emotionales Thema: totales Verbot, ignorieren, dulden, einsetzen zum Lernen. Vieles ist möglich.

Tatsache ist, dass die Smartphones da sind und nicht mehr verschwinden werden. Auch bei Veranstaltungen mit Erwachsenen werden sie herausgeholt und mehr oder weniger diskret benutzt, und wenn nur als Uhr.

Disziplinproblem oder digitales Werkzeug?

Smartphones sind nicht automatisch ein Problem im Unterricht! Ein kurzer Blicke auf das Display ist nicht viel anders als ein Blick aus dem Fenster oder eine andere Art des kurzen Abschaltens. Eine schnelle Antwort per sms ist gleichzusetzen mit einen Zettel, der weitergegeben wird an einen Mitschüler oder einer kurzen geflüsterten Bemerkung, die nur dem Nachbarn gilt. Wenn die Schüler generell am Unterricht teilnehmen, lernen und ihre Aufgaben machen, kann man damit  umgehen wie mit anderen kleinen Disziplinangelegenheiten. Je interessanter und engagierender der Unterricht ist, desto weniger werden die Schüler das Handy benutzen. Eingeschränkt habe ich den Gebrauch durch die üblichen Instrumente wie Herumgehen in der Klasse, Ermahnungen, ein missbilligender Blick. Die Richtschnur in meinen Klassen: Wenn du das Smartphone kontrollieren kannst, dann ist es okay. Wenn nicht, dann kommt es in das „Smartphone-Gefängnis“ – einen Korb vorne im Zimmer hinter meinem Schreibtisch. Anfangs war das sogar lustig, dann kapierten die Schüler schnell, was Sache war. Eigentlich war das Thema gar keines mehr nach einiger Zeit, und in den oberen Klassen (11., 12.) kam es gar nicht auf. Meine Erfahrung war,  dass das Verbot viel mehr Disziplinschwierigkeiten mit sich brachte und kostbare Zeit im Unterricht verloren ging. Smartphones sollten nicht zum Mittel von power struggles werden – ebensowenig wie andere Gegenstände oder anderes Verhalten. Es ist nicht das Smartphone, sondern die Kompetenz des Lehrers, welche(s) Probleme schafft oder vermeidet.

Managen der Smartphone-Angelegenheit ist aber nur eine Seite, besser ist es, das Mobiltelefon zum Lerninstrument zu machen.